Das Märchen, wie man sich als Züchter eine goldene Nase verdient
Teil 1

Züchter werden ist nicht schwer …
Es war einmal ein Boxerliebhaber, der mit dem Gedanken spielte, mit seiner Hündin einen Wurf Boxer zu züchten.
Als er seinen Boxer damals beim Züchter holte, fand er die Welpenpreise sehr teuer und hatte sich vorgenommen zu beweisen, dass man auch günstigere Boxer züchten kann. Schließlich ist das doch Hobby und eigentlich unverschämt, wenn ein Züchter so viel Geld daran verdienen will.
Die Voraussetzungen hatte er mit seiner Hündin geschaffen.
Sie ist HD-, Spondylose- und herzuntersucht, hat erfolgreich die Zuchttauglichkeitsprüfung bestanden und die Ausdauerprüfung absolviert.
Er nimmt sich vor, wie ein guter Geschäftsmann ordentlich Buch zu führen und trägt die Ausgaben in ein eigens dafür angeschafftes Heftchen ein.
Nun muss der Zwingername noch geschützt werden. Nach einigen schlaflosen und ausgiebig diskutierten Nächten ist man sich innerhalb der Familie einig. Der Zuchtwart kommt zur Erstbesichtigung der Wurfstätte. Es gibt nichts zu beanstanden und er erhält noch einige Tipps zur optimalen Gestaltung des Wurfzimmers und des Auslaufs.
Also wird eine Wurfkiste gebaut und eine Wärmeplatte bestellt, die eine konstante Bodentemperatur gewährleistet.
Eine nicht ganz preiswerte Sache. Aber was soll’s — wenn wir die Welpen haben, wird sich die Sache schon wieder rechnen, denkt unser Züchter.
Nun wird es langsam ernst, denn jetzt muss der passende Deckrüde gefunden werden. Auf den Ausstellungen hatte er sich schon lange vorher umgesehen und sich den einen oder anderen vorgemerkt. Die, die ihm besonders gut gefielen, stehen allerdings leider nicht in unmittelbarer Nähe.
Also bespricht er erst einmal mit seinem Chef, dass er Urlaub braucht, um zum Decken fahren zu können. Den Urlaubsantrag für den geplanten Wurftermin reicht er gleich mit ein. Alles geregelt — jetzt kann es also losgehen.
Wieder stehen einige schlaflose Nächte an. Ahnentafeln, ZTP-Berichte, Ausstellungsergebnisse und Prüfungsergebnisse werden verglichen.
War ein passender Rüde gefunden, mussten die Zuchtwerte überprüft werden.
Passt nicht — weitersuchen!
Passen die Zuchtwerte, stimmt die Fehlerbelastung des Rüden nicht. Wer will schon vermehrt Knickschwänze, Weiße oder Hasenscharten im Wurf haben?
Also frustriert weitersuchen. So schwer hatte unser Züchter sich das nicht vorgestellt.
Aber irgendwann stimmt alles: Zuchtwerte, Nachzucht des Rüden, Gesundheit — alles okay.
Unser Züchter ruft beim Deckrüdenbesitzer an, um sich anzumelden.
Der Rüde ist hochprämierter Champion und hat bisher relativ fehlerfreie Nachzucht. Sogar die Körung hat er bestanden.
Aber eine Erstlingshündin? Nein, die möchte er lieber nicht annehmen. Das könnte seine gute Zuchtstatistik kaputtmachen. Beim zweiten Wurf der Hündin gerne — wenn man schon wisse, was sie vererbt.
Unser Züchter gibt nicht auf. Beim nächsten ausgewählten Rüden hat er Glück. Der wohnt zwar fast 800 Kilometer weit weg, aber was soll’s — der Urlaub ist ja eh eingeplant.
Und endlich ist es dann so weit: Seine Hündin kommt in die Hitze.
Auf geht’s zum Tierarzt zur Deckzeitbestimmung. Nach dreimaligem Tierarztbesuch steht der günstigste Decktag fest und unser Züchter macht sich auf die Reise. Er hat für drei Tage ein Hotel gebucht, damit er noch Zeit zum Nachdecken hat.
Alles klappt bestens und stolz fährt er nach Hause — in freudiger Erwartung auf die Trächtigkeit seiner Hündin.
Inzwischen sieht die Soll-Seite seines Ausgabenbuches schon ziemlich gefüllt aus, auf der Haben-Seite ist noch gähnende Leere. Dass ein Deckakt auch so teuer ist — und die ganzen Nebenkosten wie Fahrt und Hotel — das hätte er wirklich nicht vermutet.
Die Tage verstreichen, die Hündin wird runder, die 63 Tage Tragezeit ziehen sich in die Länge und wollen gar nicht enden.
Der 63. Tag ist erreicht, der Urlaub ist angetreten. Aber die Hündin macht noch keine Anstalten, ihre Welpen zu werfen. Der zu Rate gezogene Zuchtwart beruhigt den unerfahrenen Züchter — es kann auch schon mal länger dauern.
Vorsichtshalber lässt unser Züchter aber trotzdem noch einmal Ultraschall beim Tierarzt machen und geht beruhigt nach Hause, als dieser ebenfalls bestätigt, dass alles im grünen Bereich ist.
Am 65. Tag verweigert die Hündin ihr Futter und beginnt zu hecheln.
Endlich — die Geburt beginnt. Sie macht ihre Sache prima und wirft sechs Welpen.
Schade — nur sechs? Unser Züchter hatte doch schon so oft von Würfen mit zehn Welpen gelesen.
Aber immerhin: Sechs ist ja schon mal was und nun kann er ja zumindest von sich behaupten, auch ein Züchter zu sein.
Teil 2

… Züchter sein dagegen sehr
Müde, aber glücklich liegt der Züchter neben seiner Wurfkiste und betrachtet seine Welpen. Alle liegen schmatzend an den Zitzen der Mutter — ein schönes Bild.
Eigentlich würde unser Züchter gerne schlafen, aber er ist unruhig und hat Angst, die Welpen aus den Augen zu lassen. Die Mutter ist ja unerfahren und könnte etwas falsch machen.
Aber irgendwann übermannt ihn die Müdigkeit und er schläft nach drei durchwachten Nächten ein. Erschreckt wacht er auf, als er aus der Welpenkiste ein Wimmern vernimmt.
Die Mutter ist unruhig und stupst mit der Schnauze zwei der Welpen herum und versucht, sie in den Decken zu verbuddeln. Der Züchter legt sie wieder an die Zitzen, aber sie nuckeln nur und saugen nicht richtig.
Er ruft seinen Zuchtwart an, der sich sofort auf den Weg macht, da er sowieso die Erstbesichtigung des Wurfes vornehmen wollte.
Welche Enttäuschung: Der Zuchtwart stellt bei den zwei Welpen eine Hasenscharte und einen Spaltrachen fest und die kleinen Welpen müssen durch den Tierarzt eingeschläfert werden, weil sie mit dieser Deformation nicht lebensfähig sind.
Das erfahrene Auge des Zuchtwartes sieht bei einem der verbliebenen Welpen dann noch eine Knickrute, die in den ersten drei Lebenstagen durch den Tierarzt amputiert werden muss.
Auweia — so hatte sich unser Züchter das eigentlich nicht vorgestellt und er fragt sich, wieso das alles gerade ihn treffen muss.
Noch keine drei Tage vergangen und schon zweimal Tierarztkosten.
Aber immerhin sind ja noch vier Welpen übrig, wenn auch einer mit amputierter Rute.
Der Zuchtwart hatte ihn darauf aufmerksam gemacht, dass man gerade in den ersten Tagen eigentlich rund um die Uhr ein Auge auf die Welpen und die Mutter haben muss, damit die Milch erst mal richtig in Gang kommt und die Welpen gleichmäßig trinken und zunehmen und die Mutter keine Gesäugeentzündung bekommt.
Leichter gesagt als getan.
Inzwischen ist unser Züchter doch schon recht müde und zerschlagen. Wurflager sauber halten, ständig Decken wechseln, Welpen anlegen, Gesäuge abkühlen und Riesenberge kaum zu bewältigender Wäsche — sein normaler Job in der Firma ist dagegen ja ein Kinderspiel.
Und es kommt, wie es kommen musste:
Bei all der Arbeit und dem wenigen Schlaf hat er doch einen kleinen Knoten im Gesäuge übersehen. Milchstau — die Milch kommt nur noch gelb und klebrig aus den beiden hinteren Zitzen, ein sicheres Zeichen dafür, dass eine Gesäugeentzündung naht.
Er bemüht sich mit Quarkumschlägen, Massieren und Kühlen, die Milchproduktion wieder in Gang zu bekommen. Vergeblich.
Der Tierarzt rät dringend, die Welpen abzusetzen und sie weiter mit der Flasche aufzuziehen, da durch das entzündete Gesäuge Bakterien in der Milch sind, die den kleinen Welpen schaden können.
Also wird Welpenmilch besorgt und wieder einmal das Konto der Soll-Seite in Anspruch genommen.
Mühselig, alle vier Stunden rund um die Uhr, füttert der Züchter nun eifrig seine Hundekinder. Zwischendurch massiert er weiter das Gesäuge und macht Quarkumschläge.
Bei seinem Chef muss er weiteren Urlaub beantragen, der zum Glück ein Tierliebhaber ist und Verständnis für diese Notlage aufweist.
Trotz allem gedeihen die Welpen. Es naht der Zeitpunkt, an dem sie ihre erste feste Nahrung probieren dürfen: Rindertartar.
Der Züchter überlegt sich beim Füttern, wann er das letzte Mal Rindertartar gegessen hat — eigentlich nie, denn für ihn war normales Hackfleisch immer gut genug. Aber für die Welpen wird natürlich nur das Beste — und leider auch das Teuerste — gekauft.
Inzwischen haben sich auch erste Interessenten für die Welpen gemeldet. Sie werden eingeladen, sich den Wurf anzusehen, damit man sie persönlich kennenlernen kann.
Zum verabredeten Termin wird Kaffee und Kuchen bereitgestellt. Man befragt sie nach ihrer Boxer-Erfahrung, ihrem Umfeld und was einem sonst noch wichtig erscheint.
Die Interessenten wirken schon etwas entnervt und geben zu bedenken, sie wollten einen Hund kaufen und nicht ein Kind adoptieren.
Das wiederum missfällt unserem Züchter doch sehr. Schließlich adoptieren sie doch gerade eines seiner Kinder — zumindest empfindet er es so, nach all diesen Sorgen und Anstrengungen um die Kleinen.
Somit sind die ersten Interessenten erst einmal beim Boxertauglichkeitstest durchgefallen und müssen unverrichteter Dinge wieder nach Hause.
Allerdings ist aber damit auch der ganze Nachmittag weg — und Kaffee und Kuchen auch.
Er nimmt sich vor, alles demnächst schon mal am Telefon abzuchecken.
Gesagt, getan.
Die nächsten Interessenten stellen sich vor. Bereits vorgeprüft mit guten Voraussetzungen, einen Welpen zu bekommen. Alle Fragen des Züchters konnten sie zu seiner Befriedigung beantworten.
Nun aber haben die Interessenten noch einige Fragen:
Ob die Eltern gesund seien, wie alt die Großeltern geworden sind und woran sie gestorben seien.
Ihnen sei besonders wichtig, dass der Züchter ihnen eine Garantie auf die zukünftige Gesundheit des Welpen gebe — schließlich erhält man doch auf jede Ware so eine Art Garantie.

Ware? Garantie?
„Meine Welpen sind Lebewesen und keine Ware! Wie kann man auf ein Lebewesen denn Garantie geben?“ fällt unserem Züchter dazu nur ein.
Nein, auch solche Leute sind nicht geeignet.
Der Kaffeevorrat wird aufgestockt und Kuchen neu bevorratet.
Und irgendwann sind dann endlich die richtigen Käufer gefunden. Menschen, die einen Boxer aus Liebe zu dieser Rasse haben möchten und ihn so akzeptieren werden, wie er ist.
Sie kommen den Welpen nun regelmäßig besuchen — natürlich mit der ganzen Familie, einschließlich Oma und Opa.
Die Wohnung sieht nach solchen Besuchen zwar aus, als habe eine Bombe eingeschlagen, aber man möchte ja auch wissen, wie die neue Familie mit dem Hundekind umgeht.
Unser Züchter fühlt sich jetzt doch schon etwas urlaubsreif. Dauernd Besuch, Anrufer, die sich nach den Kleinen erkundigen, vorher Wohnung und Hundezimmer aufräumen, die Kleinen und die Mama füttern …
Er hat sowieso das Gefühl, dass mehr aus den Welpen hinten herauskommt, als er oben reinfüttert.
Besonders morgens, wenn er in sein Hundezimmer kommt, hilft nur eins: Türe auf — Welpen raus, Türe schnell zu und Häufchen einsammeln, die schon fast wie kleine Berge aussehen.
Decken, Spielzeug, Fressschüsseln — einfach alles ist kreuz und quer im Zimmer verteilt und dementsprechend verunreinigt.
Seinen Sinn für Ordnung und Schönheit scheinen die Kleinen nicht teilen zu wollen.
Aber egal — Hauptsache, sie fühlen sich wohl.
Tagsüber tollen sie draußen herum und erobern die Welt. Nicht ohne Folgen, denn plötzlich humpelt einer der Wüstlinge.
Und wieder mal ab zum Tierarzt.
Gottlob aber nichts Ernstes.
Unserem Züchter ist keine Ruhe vergönnt. In den nächsten Tagen hat ein anderer Welpe ein zugeschwollenes Gesicht und sieht zum Fürchten aus.
Nach einer Spritze vom Tierarzt nimmt er dann aber relativ schnell wieder normale Formen an. War wohl nur gestochen worden.
Bei dieser Gelegenheit wird gleich ein Termin ausgemacht, an dem die Welpen tätowiert und geimpft werden sollen.
Ach ja — und ein letztes Mal entwurmen muss ja auch noch sein, obwohl er doch dachte, diese teure Riesenpackung, die er bereits vorher besorgt hatte, würde ausreichen.
Auf der Soll-Seite seines kleinen Heftchens ist schon bald kein Platz mehr.
Tätowiert, mehrfach entwurmt und geimpft fehlt nur noch die Wurfabnahme durch den Zuchtwart, damit die Kleinen zu ihren neuen Besitzern können.
Dieser hat am Entwicklungszustand und der Aufzucht der Welpen nichts auszusetzen.
Er bekommt vom Züchter das Kilometergeld für die dreimalige Wurfbesichtigung und die Wurfabnahmegebühr und endlich, endlich naht nun der Tag, an dem er etwas auf die Haben-Seite seines Buches eintragen kann.
Die Welpen werden abgeholt.
Bei jedem einzelnen wird es dem Züchter schwer ums Herz. Noch einmal durchlebt er all die Sorgen, schlaflosen Nächte und auch all das Schöne, das ihm mit diesem Wurf widerfahren ist.
Gefühle, die mit Geldwert nicht aufzuwiegen sind.
Er hofft nur, dass es jedem einzelnen Hundekind in seinem Boxerleben gut gehen wird und die neuen Besitzer genauso fürsorglich mit ihnen umgehen wie er es selbst getan hat.
Nachdem die erste Trauer verflogen ist, holt er sein Buch raus und addiert seine sorgfältig aufgeführten Ausgaben.
Da ist eine ganze Menge zusammengekommen, aber immerhin ist ihm ein klein wenig Überschuss geblieben.
Er beschließt, davon mit seiner Familie gemeinsam essen zu gehen, um sie dafür ein wenig zu entschädigen, dass alles während der letzten Wochen zu kurz gekommen ist.
Sein Soll- und Habenbuch ist wieder auf null.
Er tröstet sich damit, dass ja alles noch hätte schlimmer kommen können und er ja eigentlich Glück hatte, nicht noch zusätzlich einen Kaiserschnitt oder eine Infektionskrankheit der Welpen in Kauf nehmen zu müssen.
Als einige Wochen später die Ahnentafeln und die Rechnung dafür ins Haus flattern, ärgert er sich noch einmal.
Das hatte er in seiner Kalkulation ganz vergessen.
Und wenn er zu diesem Zeitpunkt schon gewusst hätte, dass noch eine riesige Stromnachzahlung auf ihn wartet, weil er den Welpen so mollig warm gemacht hatte, wäre es nicht nur Ärger, sondern Wut geworden.
Aber so dosiert war es zu ertragen.
Und wenn er nicht das Handtuch geworfen hat, wird er vielleicht noch einmal Welpen haben — aber nie mehr über die Welpenpreise meckern.
Die Sache mit dem Tierarzt …
… oder wie finde ich einen guten?
Immer wieder taucht bei der Welpenabgabe die Frage auf:
Wann und wie oft muss ich mit meinem Hund zum Tierarzt? Wie finde ich den Richtigen und woran erkenne ich ihn letztendlich?
Zugegeben — eine schwere Frage.
Im Laufe eines Hundelebens ist ein Tierarzt unerlässlich. Da stehen Impfungen an, Wurmkuren und eventuell auch einmal etwas Ernsteres.
Ist der Tierarzt der Beste, der alle neuzeitlichen Untersuchungsgeräte in der Praxis hat?
Oder ist vielleicht der besser, der nur eine spartanisch eingerichtete Praxis hat, dafür aber auch noch Hausbesuche macht?
Wie ist der Tierarzt nachts oder an Feiertagen zu erreichen? Tendiert dieser mehr zu natürlichen Heilmethoden oder greift er lieber sofort zu schärferen Geschützen?
Tipp 1
Falls Sie Ihren Boxer das erste Mal vorstellen und das Gefühl haben, andere Hunderassen gefallen dem Tierarzt besser, ist er mit Sicherheit nicht der Richtige.
Sie merken dies meist an Fragen wie:
„Warum sind Sie denn gerade auf einen Boxer gekommen?“
Tipp 2
Sie besuchen die Praxis und denken, Sie wären in einem Hightech-Labor.
Halten Sie sich immer vor Augen: All diese hochtechnologischen Apparate müssen sich bezahlt machen und daher auch dementsprechend eingesetzt werden.
Sollte Ihr Hund einmal etwas Ernstes haben, gibt es auch in der Tiermedizin verschiedene Fachärzte, an die man Sie überweisen kann.
Tipp 3
Bitten Sie Ihren Tierarzt um seine Privat- oder Handynummer für Notfälle.
Ein guter und engagierter Tierarzt wird Sie auch im Notfall nicht im Stich lassen.
Tipp 4
Fragen Sie ruhig nach, ob Ihr Tierarzt auch mit naturheilkundlichen oder homöopathischen Mitteln und Methoden arbeitet.
Nicht immer muss gleich mit schweren Geschützen geschossen werden.
Um die Sache verständlicher zu machen, möchte ich noch einige Fälle aus der Praxis schildern.
Fallbeispiel 1
Eine kleine Hündin, 12 Wochen alt, wird zum Nachimpfen vorgestellt.
Auf Fragen des Tierarztes berichtet der Besitzer, die Kleine sei putzmunter, frisst gut und es gebe nichts, was ihm Sorgen bereite. Nur ab und zu hätte sie an der Scheide ein weißes Tröpfchen hängen.
Der Tierarzt untersucht den Hund und sagt dem Besitzer, der Hund müsse sofort komplett operiert werden.
Ihm bleibt keine Zeit mehr, mit seinem Züchter Rücksprache zu nehmen oder wenigstens zu versuchen, den Hund zunächst mit Medikamenten zu behandeln.
Bei fast all meinen jungen Hündinnen ist eine Zeit lang dieser Ausfluss zu beobachten und er verschwindet ohne Behandlung nach der ersten Hitze von allein.
Dieser arme kleine Hund bleibt aber sofort in der Klinik, wird operiert und muss bis zum nächsten Tag dort bleiben.
Was muss im Kopf dieses kleinen Kerls vorgehen?
Gerade erst an den neuen Besitzer gewöhnt, in einer Box sitzend und nicht wissend, was da mit ihm passiert.
Aufwachen mit Schmerzen, kein Herrchen da, das ihn tröstet — bestimmt ein Schock fürs Leben.
Nach zwei Tagen zuhause bekommt die kleine Hündin Fieber, muss wieder in die Tierklinik und dort bleiben.
Bauchfellentzündung!
Sie wird stationär behandelt. Nach einigen Tagen kommt der Anruf, sie müsse nun eingeschläfert werden, da die Milz kaputt sei.
Inzwischen war der Züchter informiert und hatte dem Besitzer geraten, den Hund sofort dort wegzuholen, weil etwas nicht stimmt.
Erst nach massivem Protest wurde der Hund herausgegeben.
In einer als boxerfreundlich bekannten Klinik wurde die kleine Hündin dann noch einmal operiert. Dabei stellte sich heraus, dass die erste Operation verpfuscht worden war und dem Hund versehentlich ein Harnleiter durchtrennt wurde.
Dadurch war eine Niere abgestorben und hatte sich mit einem Liter Eiter gefüllt.
Die kleine Hündin hat die Operation überlebt, ist aber von oben bis unten aufgeschnitten und welche Folgen diese überflüssige, viel zu frühe Kastration hat, ist noch gar nicht abzusehen.
Fallbeispiel 2
In einem anderen Fall berichtet mir eine Welpenbesitzerin davon, dass ihr Hund gelegentlich Schuppen hatte.
Vom Tierarzt hatte sie ein Spray bekommen, für das sie inklusive der Konsultation etwa 100 Euro bezahlt hatte und war nun enttäuscht, dass dies nichts half.
Sie folgte dem Rat ihres Züchters und gab nun jeweils einen Teelöffel Distelöl unter das Futter.
Die Schuppen verschwanden.
Kostenpunkt: ca. 5 Euro
Abschließende Gedanken
So wird es noch viele Beispiele geben, wie hohe Tierarztkosten entstehen können, ohne dass sie dem Hund wirklich zum Vorteil sind.
Unsere Boxer sind eben etwas ganz Besonderes.
Die meisten leben als Familienmitglieder im Haus und werden gehegt und gepflegt wie Kinder.
Liegen sie neben uns auf der Couch und der Magen grummelt, ist schon Alarmstufe 1 angesagt.
Sitzt dann eventuell noch ein Pups quer, muss spätestens dann ein Tierarzt zu Rate gezogen werden.
Einem Hundebesitzer, der seinen Hund im Zwinger hält, würde das vermutlich gar nicht auffallen.
So weit, so gut.
Dadurch entsteht aber auch das Gerücht, Boxer säßen immer nur beim Tierarzt.
Mit Sicherheit wahrscheinlich öfter als andere Rassen — aber nicht, weil sie so viel kränker sind, sondern weil wir Boxerbesitzer einfach ein wenig verrückter mit unseren Hunden sind.
Glauben Sie ruhig Ihrem Züchter, wenn er Ihnen vielleicht anstatt einer aufwendigen Tierarztbehandlung einmal ein altes Hausrezept empfiehlt.
Sollte es wider Erwarten nicht helfen — der nächste Tierarzt ist nicht weit.
